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Eröffnung der Hospiz-Einrichtung an der Holtgrevenstraße

Ruhrnachrichten, 6. Oktober 2016, von Britta Linnhoff

 

Mit Fotostrecke

Größtes stationäres Hospiz in NRW öffnet in Lünen

LÜNEN_Flächenmäßig ist es das größte im Land Nordrhein-Westfalen, für die Stadt Lünen das erste überhaupt: das neue stationäre Hospiz am Wallgang. Am Mittwoch zeigte Bauherrin Constanze Spellerberg die nagelneuen Räume der Öffentlichkeit und verriet, warum die Einrichtung für sie eine Herzensangelegenheit ist.

Auf jeder Etage des neuen Hospizes gibt es nicht nur Küche und Wohnzimmer. Es wird auch jeweils ein anderes Motto umgesetzt. So gibt es zum Beispiel eine maritime Etage. _Foto: Britta Linnhoff

Auf jeder Etage des neuen Hospizes gibt es nicht nur Küche und Wohnzimmer. Es wird auch jeweils ein anderes Motto umgesetzt. So gibt es zum Beispiel eine maritime Etage. _Foto: Britta Linnhoff

Die ersten Bewohner kommen erst in der nächsten Woche. Am Mittwochabend waren jedoch schon zahlreiche Gäste zum Feiern in das Hospiz am Wallgang geeilt. Bis 16 Uhr, so verriet Bauherrin Constanze Spellerberg, hätten die Handwerker hier noch gearbeitet.  Davon war am Abend nichts mehr zu sehen: Blitzeblank war die wirklich beeindruckende Einrichtung. Jede Etage hat ein eigenes Thema: Das Erdgeschoss ist die Blumenwiese, Nordsee- und Alpenetage folgen. Schöne Dekoration ist das Eine zum Wohlfühlen. Das Andere: In jedem dieser Zimmer gibt es eine Schlafgelegenheit für Angehörige. Nicht irgendwie in einer Ecke, alles ist bequem und gemütlich.

Geburt des Sohnes war Initialzündung, etwas zu tun

Auf jeder Etage gibt es eine Küche, ein Wohnzimmer, einen großen Balkon. „Ich will gar nicht so viel dazu sagen, das Gebäude spricht für sich“, sagte Bauherrin Constanze Spellerberg. Und sagte dann doch gerührt ganz viel dazu, wie es zu diesem Projekt gekommen ist. „Es gibt einen Menschen, der dafür verantwortlich ist, dass es das jetzt gibt.“ Der Mensch ist ihr Sohn, heute 20 Jahre alt und 1,85 Meter groß. Er kam in der 26. Schwangerschaftswoche auf die Welt, 800 Gramm leicht.

Damals, in der Uniklinik Münster, habe sie Kinder gesehen, die nicht soviel Glück hatten, erzählte Spellerberg. Das sei für sie die Initialzündung gewesen, „etwas zu tun“. Etwas, von dem am Mittwochabend Pfarrer Hartmut Gluche sagte: „Alles Großartige auf dieser Erde entsteht nur, weil manche Menschen mehr tun als sie müssen. Endlich wird wahr, worauf viele Menschen so lange gewartet haben.“

„Ich wusste, dass wir so eine Einrichtung dringend brauchen“

Gluche, langjähriger Seelsorger am Marien-Hospital, erzählte von seinem ersten Treffen mit Spellerberg: „Ich habe bei unserem ersten Treffen gleich gewusst, dass Ihnen das eine Herzensangelegenheit ist.“ Er habe einen Freudensprung gemacht, als er gefragt worden sei, ob er hier als Seelsorger tätig sein wolle. „Ich wusste, dass wir eine solche Einrichtung dringend brauchen“.

Sein katholischer Amtskollege Dr. Thomas Roddey, mit dem er sich die seelsorgerischen Aufgaben im Hospiz teilt, betonte, er habe sich sehr gefreut, „als ich gehört habe, dass ein Hospiz in meine Nachbarschaft kommt“. Roddey, selbst examinierter Krankenpfleger, äußerte die Hoffnung, dass „hier nicht nur geweint, sondern auch viel gelacht wird“. Hospizleiter Sebastian Roth freute sich auf seine Arbeit: „Es ist schön, dass wir jetzt ein so schönes Haus haben, unsere Aufgabe ist es jetzt, dieses mit Leben zu füllen.“

Am Montag kommen voraussichtlich die ersten beiden Gäste. Dann ist das erste stationäre Hospiz in Lünen endgültig eröffnet.

Info

Zweites stationäres Hospiz im Kreis Unna

Zwölf Zimmer für Patienten hat das Haus an der Holtgrevenstraße. Außerdem gibt es zwei Zimmer für Angehörige. Mit 1600 Quadratmetern Platz für die Sterbenden und ihre Angehörigen ist es nach Angaben der Hospizleitung flächenmäßig das größte in Nordrhein-Westfalen. Es ist neben dem in Schwerte die zweite stationäre Einrichtung im Kreis Unna. Gut vier Millionen Euro wurden in das Projekt investiert. 95 Prozent der Unterbringungskosten übernehmen nach dem Palliativgesetz die Krankenkassen; die anderen fünf Prozent muss das Hospiz durch Spenden aufbringen; etwa 60.000 bis 80.000 Euro pro Jahr.