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Die Fußgängerbrücke an der Kurt-Schumacher-Straße in Lünen soll abgerissen werden.

 

 

Ruhrnachrichten, 4. Februar 2017
Marc Fröhling, Redakteur

Kurt-Schumacher-Straße

Lünen will marode Fußgängerbrücke abreißen

LÜNEN Die Fußgängerbrücke an der Kurt-Schumacher-Straße in Lünen ist zu marode und könnte im schlimmsten Fall einstürzen. Die Stadtverwaltung will jetzt handeln und die Brücke abreißen. Dafür soll eine Ampelanlage installiert werden. Wir haben mit Experten über das Vorhaben gesprochen.

Die Fußgängerbrücke über die Kurt-Schumacher-Straße ist eine wichtige Verbindung zwischen City und Theater, Hansesaal, Hotel und Rundturnhalle, die unter anderem die Schüler der Geschwister-Scholl-Gesamtschule nutzen. Sie ist marode und soll abgerissen und durch eine Ampelanlage auf Höhe der Neuberinstraße (oben links) ersetzt werden. Foto: Neubauer

Die Fußgängerbrücke verbindet Innenstadt mit Theater, Hansesaal, Ringhotel am Stadtpark und Rundturnhalle und führt quer über die vielbefahrene, vierspurige Kurt-Schumacher-Straße. Geht es nach der Verwaltung, wird die Brücke bald abgerissen und durch eine Fußgängerampel ersetzt. Denn eine „gefahrlose Nutzung“ ist zwar noch gegeben. Dennoch besteht die „geringe Gefahr“, dass das Bauwerk „spontan versagen“, also kollabieren könnte.

Das geht aus Verwaltungsunterlagen hervor, die kommende Woche ihren Weg durch die Ausschüsse für Stadtentwicklung und Umwelt, Sicherheit und Ordnung, den Haupt- und Finanzausschuss und schließlich den Rat nehmen. Die Vorlage basiert auf zwei Untersuchungen:

› 1.: Die statische Überprüfung der Hagener Ruhrberg Ingenieurgesellschaft, die schon 2011 angefordert und angefertigt wurde. Ein Jahr zuvor war aufgefallen, dass in der Brücke (Baujahr 1967) sogenannter „Spannstahl“ verbaut wurde. Dieser Stahl wiederum ist empfindlich für eine bestimmte Art Rost, die dazu führen kann, dass der Stahl plötzlich bricht – und die Brücke mit ihm.

Kollabieren der Brücke wahrscheinlich vorher sichtbar

Die Hagener Ingenieure waren beauftragt worden, das sogenannte „Versagensrisiko“ der Brücke zu beurteilen. Ihr Ergebnis: Wenn die Brücke kollabiert, kann davon ausgegangen werden, dass das früh genug an der Brücke sichtbar wird, etwa durch „plastische Verformung und Rissbildung“.

Nur: Diese Annahme ist „nicht 100 Prozent sicher, da die Nachweisführung auf stochastischen Annahmen basiert“, also auf Annahmen der Wahrscheinlichkeitsrechnung. Heißt: Das Risiko, dass die Brücke unangekündigt einbricht, ist sehr gering, es kann aber auch nicht zu 100 Prozent ausgeschlossen werden. „Besonders, weil der Einfluss des chloridbelasteten Betons in der Nachrechnung nicht Rechnung getragen werden kann“, ergänzt Hendrik Lütke Brintrup, stellvertretender Leiter Abteilung Straßenbau, auf Anfrage.

Streusalz schadet dem Beton

Damit führt er zu Punkt › 2.: Im Sommer 2016 wurde die Brücke noch einmal überprüft. Dabei fiel auf, dass bestimmte, wichtige Bereiche des Brückenbetons „stark durchfeuchtet“ und mit „Chloriden belastet“ sind. Chloride sind in diesem Fall wohl Stoffe, die im Streusalz enthalten sind. Ist der Beton damit durchsetzt, kommt es laut Verwaltung wiederum zu potenziell gefährlichem Rost.

Diese Belastung habe „einen extrem negativen Einfluss auf das Tragverhalten des Bauwerks“, heißt es in der Vorlage. Eine längere Nutzung wäre ein „nicht vertretbares Sicherheitsrisiko“. Das liest sich dramatisch. Ist die Nutzung also auch jetzt schon gefährlich? Nein, sagt Brückenexperte Lütke Brintrup. „Eine gefahrlose Nutzung ist noch gegeben, ansonsten hätte die Verwaltung im Zuge der Verkehrssicherungspflicht bereits Maßnahmen (Sperrung, Abfangung, o.ä.) veranlasst.“

Kein Neubau geplant

Trotzdem muss die Brücke abgerissen werden. Einen Neubau schließt die Verwaltung aus, weil der vor Ort nicht barrierefrei gestaltet werden kann, ein Aufzug wäre zu teuer und ineffektiv. Auf eine Überquerung an dieser Stelle soll aber auch nicht verzichtet werden. Schon jetzt überquerten viele Fußgänger die Kurt-Schumacher-Straße, ohne die Brücke zu nutzen. Das sei gefährlich und würde dann zunehmen.

Deswegen schlägt die Verwaltung vor, eine Fußgängerampel auf Höhe der Neuberinstraße (Ecke Lükaz) zu bauen. Die könnte in die „Grüne Welle“ eingebunden werden und würde etwa 250 000 Euro kosten, die zu den 95 000 Euro für den Abriss der Brücke hinzukämen. Wann Abriss und Bau bei positiven Ausschuss- und Ratsentscheiden stattfinden könnten, konnte die Verwaltung am Freitag auf Anfrage nicht sagen – der zuständige Mitarbeiter war nicht im Hause.