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Der Lüner SPD-Stadtverband hat gewählt: SPD-Stadtverbandvorsitzener ist nun Norbert Janßen.

Ruhrnachrichten, Redaktion Lünen, Peter Fiedler

Erstellt: 20. Januar 2018

 

Parteitag hat entschieden

Norbert Janßen ist neuer SPD-Vorsitzender in Lünen

Lünen Die Lüner SPD hat einen neuen Vorsitzenden: Die 98 Delegierten des Stadtverbandsparteitages wählten Norbert Janßen am 20. Januar zum Nachfolger von Michael Thews. Das Ergebnis fiel knapp aus.

 

Der neue Lüner SPD-Chef Norbert Janßen (l.) unmittelbar nach der Wahl. Vorgänger Michael Thews gratulierte mit einem Blumenstrauß_ Foto: Peter Fiedler

 

Janßen vereinigte 52 -Stimmen auf sich. Auf seinen Konkurrenten Daniel Wolski entfielen 42 Stimmen. Drei Delegierte entschieden sich für Stephan Kürschner. Eine Stimme war ungültig. „Ich nehme die Wahl an und bedanke mich für das Vertrauen“ erklärte der 47-jährige neue Stadtverbandsvorsitzende kurz und knapp, als das Ergebnis kurz vor 11 Uhr bekanntgegeben wurde.

„Es war eine demokratische Entscheidung. Da kann es passieren, dass ein anderer Kandidat überzeugender ist, das habe ich akzeptiert. Ich bin nicht böse“, sagte Daniel Wolski. Außenseiter Stephan Kürschner nahm sein Ergebnis locker: „Ich hatte mit noch weniger Stimmen gerechnet, in zwei Jahren trete ich wieder an.“

Die drei Kandidaten hatte sich vor dem Wahlgang dem Parteitag in Redebeiträgen von fünf Minuten vorgestellt. Im Vorfeld hatte es bereits Diskussionsveranstaltungen in den Ortsvereinen gegeben.

Bundestagsabgeordneter Michael Thews hatte die Lüner SPD neun Jahre geführt und schon Wochen vor dem Parteitag seinen Verzicht auf eine erneute Kandidatur erklärt. „Ein tolles Amt, eine tolle Stadt, eine tolle Partei“, erklärte der 53-Jährige in seiner letzten Rede als Lüner Parteichef. Mit Blick auf seit Jahren sinkende Mitgliederzahlen sagte er: „Wir haben mit elf Ortsvereinen und verschiedenen Arbeitsgemeinschaften eine Struktur, die stabil ist, aber die nicht leicht zu halten ist.“

Jugend macht Hoffnung

Hoffnung mache ihm, dass viele junge Menschen in die Partei eingetreten seien und sich engagierten. „Das ist ein gutes Zeichen, dass Jugend nicht nur fordert, sondern auch etwas zurück gibt“, so Thews. Er hob hervor, dass viele Ortsvereine bereits den Generationswechsel hin zu jüngeren Vorsitzenden vollzogen haben. An die Adresse seines Nachfolgers sagte Thews: „Das Amt ist eine Bereicherung, man erweitert den eigenen Horizont.“

Die derzeit alles beherrschende Debatte in der SPD, die Frage eines Einstiegs in Koalitionsverhandlungen mit der CDU/CSU, stand zwar nicht auf der Tagesordnung, wurde aber einen Tag vor dem entscheidenden Bundesparteitag natürlich auch in Lünen zum Thema. „Wir sind eine Partei, die demokratisch handelt und diskutiert“, erklärte Michael Thews. Angesichts der Art der Diskussion mit persönlichen Verunglimpfungen in den sozialen Medien habe er aber Sorge, „dass es uns zerreißt“.

Schmeltzer: Nein – Wiefelspütz: Ja

Lünens Landtagsabgeordneter Rainer Schmeltzer zählt mit Thews und Stefanie Lippelt zu den drei Lüner Delegierten des Bundesparteitages. Er werde mit Nein stimmen, also gegen die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen, kündigte Schmeltzer an. Vom Ergebnis der Sondierungsverhandlungen zeigte er sich enttäuscht. „Die Abschaffung der Zwei-Klassen-Medizin ist nicht ansatzweise drin“, nannte er ein Beispiel. Außerdem fehle ihm der Glaube, dass am Ende auch umgesetzt wird, was ausverhandelt wurde.

Die Gegenrede kam vom ehemaligen Bundestagsabgeordneten Dr. Dieter Wiefelspütz. Er plädierte „ganz entschieden“ für die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen: „Uns Gesprächen zu verweigern, wenn wir die Chance haben, sozialdemokratische Inhalte umzusetzen, halte ich für abenteuerlich. Wenn man diese Inhalte ausverhandelt, wird man am Ende sagen können, ob es reicht oder ob es nicht reicht. Aber jetzt nein zu sagen, halte ich für fatal.“

Der ehemalige NRW-Minister Wolfram Kuschke bekannnte, er wisse nicht, wie er sich entscheiden würde, falls er Delegierter des Bundesparteitages wäre. Ihm sei aber vor allem eines wichtig: „Die Erneuerung der Partei fällt nicht vom Himmel, egal ob aus der Regierung oder aus der Opposition heraus.“